"Die Autofahrer haben mich schwer enttäuscht!"
 
Können mich andere Menschen enttäuschen? 

„Die Autofahrer haben mich schwer enttäuscht!“ 

Über diesen Satz bin ich letzte Woche gestolpert. 

Ich hatte ihn im Fernsehen bei der Lokalzeit Bonn des WDR, anlässlich eines kleinen Berichtes zu "90 Jahre Autobahn A555" gehört. In diesem Bericht wurden alte Interviews aus den 60er Jahren gezeigt. Unter anderem auch der Auszug aus einem Interview mit dem damaligen NRW Verkehrsminister Hans Lauscher. Er ging dabei insbesondere auf die vielen Verkehrsunfällen und Tote in den ersten Jahren der neuen Autobahn ein, indem er sagte: „Die Autofahrer haben mich schwer enttäuscht!“ 

(siehe:   https://www1.wdr.de/fernsehen/lokalzeit/bonn/videos/video-lokalzeit-aus-bonn---1718.html, s. ab Min 19)

Ich dachte:  Wow... Was für eine Aussage! Was er den anderen Autofahrern für eine Schuld zuweist!? Im Sinne von 'die anderen sind schuld, dass ich enttäuscht bin.' Und gleichzeitig bedeutet das auch, dass er fremden Menschen die Macht über seine Gefühle gibt!?

Das ist irgendwie genau das Gegenteil von "Gewaltfreier Kommunikation". 

Und ich überlegte, wie es heutzutage ein Politiker formulieren würde? Auf jeden Fall nicht so! Oder doch...!? Ich überlege... "Die Bürger haben mit enttäuscht...", "Die Wähler haben mich enttäuscht...".

Nein, ich glaube, heutzutage würde man eher in Ich-Botschaften sprechen. Vielleicht würde man heute sagen: „Ich bin sehr enttäuscht!". 

Die Frage ist nur, wie der nachfolgende Gedanke oder Teilsatz aussehen würde. Warum ist die Person enttäsucht? Weil ....die Autofahrer nicht aufpassen!?“

Also eine Ich-Botschaft, die eigentlich eine versteckte Du-Botschaft ist?


Die Idee der GfK geht nämlich hier noch einen Schritt weiter, hin zur Selbstverantwortung:


Von einer Du-Botschaft zu einer Ich-Botschaft, die wirklich etwas von MIR preisgibt.

Nach der Idee der Gewaltfreien Kommunikation könnte der Satz wie folgt klingen:

„Ich bin sehr enttäuscht, weil mir Sicherheit und Verlässlichkeit wichtig ist“.

Und/oder: "Ich bin wirklich traurig darüber, dass es 19 Tote gab, weil mir die Gesundheit und das Leben sehr wichtig ist. Und ich bedaure die vielen Tote sehr."

Das wäre eine Aussage im Sinne der GfK. Die Raum für weitere Kommunikation und Verbindung schafft. 

 Und wie könnte das in unserem Privatleben aussehen?

Weg von: 
"Du enttäuschst mich, wenn Du nicht deine Hausaufgaben machst!"...

Und auch nicht hängen bleiben bei: "Ich bin enttäuscht, weil Du deine Hausaufgaben nicht machst!"...

Hin zu: 

"Wenn ich sehe, dass Du jetzt gerade spielst statt Hausaufgaben zu machen, werde ich ganz unruhig und bin ich wirklich besorgt, weil ich Sicherheit und Klarheit brauche." 

Und dann kann das Gespräch von Mensch zu Mensch beginnen. Immer in der Haltung "Ich bin okay - du bist okay" und mit dem Ziel herauszufinden, um welche Bedürfnisse es den Gesprächspartnern gerade geht. 

Die Idee der GfK ist, zuerst eine Verbindung zu schaffen. Und dann auf Basis dieser Verbindung nach Lösungen zu suchen. Nach Lösungen, nach Strategien, die alle Bedürfnisse erfüllen. Das ist unser Anliegen. Das ist unser Ziel.

Wie klingt das Dich? 


Ich wünsche Euch allen eine gute Verbindung.

Herzlichen Gruß,

Corina